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Vom Samen bis zum Marktstand: Lucia Alpiger und ihr Bluamagarta

Wild, luftig und farblich stimmig: So sieht für Lucia Alpiger ein schöner Blumenstrauss aus. Wer an ihrem Stand auf dem Churer Wochenmarkt vorbeikommt, sieht die fertigen Sträusse. Was dahintersteckt, bleibt den meisten verborgen: viel Arbeit, ein enger Bezug zur Natur und Blumen, die Lucia vom Samen bis zum Verkauf begleitet.

Die meisten ihrer Blumen zieht Lucia selbst. Das ermöglicht ihr nicht nur eine grössere Vielfalt. Ihre Blumen sind resistenter, stammen aus biologischem Anbau und aus der Region. Besonders wichtig ist ihr aber der Bezug zur einzelnen Pflanze: Sie erlebt ihren ganzen Weg mit, vom Samen über die Pflege und die Ernte bis zum fertigen Strauss am Marktstand.

Der Churer Wochenmarkt als entscheidender Schritt

Dass aus ihrem Garten einmal der «Bluamagarta» entstehen würde, war nicht von Anfang an geplant. Einen entscheidenden Moment gab es aber: Lucia meldete sich für den Churer Wochenmarkt an.

Dabei stellte sie fest, dass sie für den Markt zu wenig Blumen hatte. Sie brauchte mehr Fläche für den Anbau. «Alles andere hat sich ergeben», erzählt sie.

Heute gehören ihre Blumensträusse zum Churer Wochenmarkt. Und hinter jedem einzelnen steckt deutlich mehr Arbeit, als man ihm auf den ersten Blick ansieht.

Lange bevor der Strauss gebunden wird

Die Vorbereitungen für den Samstag beginnen bereits Tage zuvor. Am Donnerstag und Freitag werden die Sträusse gebunden, am Freitagabend nochmals frische Blumen geschnitten. Am Samstagmorgen wird alles geladen und für den Markt bereitgemacht.

Doch bevor überhaupt ans Binden zu denken ist, müssen die Blumen aufgezogen und gepflegt werden. Allein für das Schneiden wendet Lucia rund zwei Tage auf. Anschliessend werden die Blumen geputzt und vorbereitet. Dazu kommt das Grün, das sie in der Natur sammelt. Gerade in heissen Sommern bedeutet auch das zusätzlichen Aufwand.

Beim Binden schliesslich soll jede Blume ihren Platz bekommen. Für Lucia entsteht ein schöner Strauss dann, wenn die verschiedenen Farben und Formen zusammenspielen und er gleichzeitig etwas Wildes und Luftiges behält.

Jede Jahreszeit sieht anders aus

Was auf dem Marktstand liegt, bestimmt die Natur. Entsprechend verändern sich Lucias Sträusse im Laufe des Jahres.

Im Frühling spielen Wiesenblumen eine grössere Rolle. Im Sommer kommt die grosse Fülle vom Feld. Im Herbst ergänzen Trockenblumen die Sträusse. So wechseln die Blumen von Woche zu Woche und mit ihnen Farben, Formen und Kombinationen.

Eine einzelne Lieblingsblume hat Lucia nicht. «Ich mag alle, da ich in allen eine Schönheit sehe», sagt sie. Eine Ausnahme macht sie dann doch: Das Hirtentäschli hat für sie einen ganz besonderen Platz.

Ein Garten als Lehrmeister

Lucias Verbindung zur Natur reicht weit über ihre Arbeit hinaus. Von ihren Reisen und ihrer Zeit in Kolumbien und Mexiko ist ihr vor allem eines geblieben: «Die Liebe zu allem, was die Natur uns schenkt und mich immer wieder erfreut und zum Staunen bringt.»

Auch ihr eigener Blumengarten bringt sie nicht nur zum Staunen. Er lehrt sie immer wieder etwas Neues.

«Man bekommt immer wieder eine neue Chance», sagt Lucia. Und: «Man hat nie ausgelernt.»

Besonders beeindruckt sie, wie «tapfer» Blumen und die Natur sein können. Selbst extreme Wettersituationen halten sie aus, leisten Widerstand und geben nicht auf. Eine Eigenschaft der Natur, die für Lucia auch etwas über das Leben erzählt.

Wenn aus Kund:innen Freund:innen werden

Neben den Blumen sind es die Menschen, die den Churer Wochenmarkt für Lucia besonders machen. Viele schöne Begegnungen sind ihr über die Jahre geblieben. Vor allem mit ihrer treuen Stammkundschaft. Aus Kund:innen haben sich im Laufe der Zeit sogar Freundschaften entwickelt.

Besonders freut Lucia auch, wenn sie sieht, wie begeistert Kinder auf die Blumen reagieren.

Und ihr Stand schafft es offenbar regelmässig in internationale Ferienalben: Tourist:innen aus dem asiatischen Raum machen besonders viele Fotos und Filme davon. Lucia meint deshalb augenzwinkernd, dass sie dort mittlerweile fast ein wenig berühmt seien.

Was aber soll jemand mitnehmen, der zum ersten Mal vor Lucias Blumen steht?

Ihre Antwort könnte kaum einfacher sein: Freude.

Vielleicht ist genau das die schönste Beschreibung für das, was aus Samen, Erde, viel Arbeit und Lucias Liebe zur Natur am Ende entsteht.