Kräuterhaus Praden: ein Haus, das geblieben ist
Wer nach Praden fährt, merkt schnell: Hier oben ist nichts laut. Kein Durchgangsverkehr, kein Trubel. Dafür Wind. Viel Wind. Im Winter peitscht er über die Hänge, bringt Schnee und Kälte. Im Sommer wird er sanft, fast freundlich. Am Dorfeingang steht ein Haus, das all das kennt. Seit 1862.
Das Kräuterhaus Praden ist kein Ort, den man einfach «betreibt». Es ist ein Ort, den man übernimmt, mit allem, was dazugehört. Geschichte, Verantwortung, Zweifel.
Fabienne Fuhrmann kennt dieses Haus seit ihrer Kindheit. Für sie ist es «dahai». Ein Gefühl von Stabilität, von Vertrautheit. Und gleichzeitig ein Ort, der lange still war. Die Kräuterproduktion war in den letzten Jahrzehnten fast zum Erliegen gekommen. Ein Dornröschenschlaf, wie sie sagt. Heute wird das Haus wieder geweckt. Schritt für Schritt.
Knochenarbeit mit Herz
Schon in den 1940er Jahren wusste man, worauf man sich einlässt. Als Alfred Tobler damals das Kräuterhaus übernahm, sagte er später: «Ich hätte schreiend in den Wald rennen sollen.» Ein Satz, der hängen bleibt. Und einer, der erstaunlich gut beschreibt, was hier passiert. Denn Kräuter verarbeiten bedeutet nicht Romantik. Es bedeutet Arbeit. Körperlich, wiederholend, oft unspektakulär. Und doch ist genau das der Kern.
Im Kräuterhaus Praden wird vieles noch gleich gemacht wie früher. Die Kräuter werden von Hand geerntet. Dann kommen sie in eine Schneidmaschine, die fast 100 Jahre alt ist. Laut, schwer, unüberhörbar. Sie läuft, rattert, schneidet und hält das Haus am Leben. Nicht umsonst nennt man sie hier das Herz des Kräuterhauses.
Danach liegen die Kräuter auf alten Sieben, trocknen langsam, so wie sie es schon vor Generationen getan haben. Wer den Raum betritt, riecht sofort, was hier entsteht. Es ist kein inszenierter Duft. Es ist echt.
Was hier wächst, hat Wurzeln
Die Kräuter kommen nicht von weit her. Sie wachsen rund ums Haus oder werden im Kanton gesammelt. Das, was hier verarbeitet wird, gehört zur Landschaft. Besonders nah stehen dem Team zwei Pflanzen: Meisterwurz und Holunder. Beides sind keine Trendpflanzen. Es sind Gewächse, die hier schon immer eine Rolle gespielt haben: im Alltag, in der Hausapotheke, im Wissen der Menschen. Vielleicht ist es genau das, was die Produkte ausmacht. Nicht der Anspruch, neu zu sein. Sondern der Anspruch, zu bleiben.
Ein Rezept, das geblieben ist
Im Sortiment des Kräuterhauses gibt es vieles zu entdecken. Salben, Tees, Naturkosmetik. Doch eines sticht heraus: die «Alpawürzi». Das älteste Rezept des Hauses. Kein grosses Marketing, keine lauten Versprechen. Einfach ein Produkt, das sich über die Zeit gehalten hat.
Zwischen gestern und morgen
Das Kräuterhaus steht nicht still. Es entwickelt sich weiter, aber ohne seine Wurzeln zu verlieren. Neue Ideen entstehen leise. Ein Tinkturen-Sortiment ist geplant. Der Fokus verschiebt sich stärker in Richtung Heilpflanzen. Fabienne Fuhrmann bringt ihr Wissen aus der Phytotherapie ein und vertieft es weiter. Gleichzeitig geht es um kleine Schritte: nachhaltiger arbeiten, Tierwohl mitdenken, Abläufe anpassen. Keine radikalen Veränderungen. Sondern ein kontinuierliches Weitergehen.
Der Moment am Markt
Den direkten Kontakt mit den Menschen findet das Kräuterhaus unter anderem am Churer Wochenmarkt. Früher stand Fabienne Fuhrmann selbst als Kundin zwischen den Ständen. Heute ist sie Teil davon. Auf der anderen Seite des Tisches. Was sie am meisten schätzt? Die Regelmässigkeit. Die Gesichter, die wiederkommen. Die Gespräche über Kräuter, die oft ganz nebenbei entstehen. Genau diese kleinen Begegnungen machen den Markt aus.
Ein Haus, das bleibt
Das Kräuterhaus Praden ist kein Ort, der sich neu erfindet. Es ist ein Ort, der weitergeführt wird. Mit Respekt vor dem, was war. Mit Geduld für das, was kommt. Und mit der Bereitschaft, jeden Tag wieder von vorne anzufangen. Wenn du das nächste Mal über den Churer Wochenmarkt gehst, bleib kurz stehen. Nicht wegen eines Trends. Sondern wegen einer Geschichte, die weiterlebt.




